Costa Rica: von Aktivitäten bis Tierbeobachtung

Costa Rica gehört zu den artenreichsten Ländern der Erde: Auf nur 0,03 Prozent der weltweiten Landfläche leben rund sechs Prozent aller bekannten Arten, und mehr als ein Viertel des Landes steht unter Naturschutz. Entsprechend dreht sich fast jede Aktivität dort um die Natur: Tierbeobachtung, Vulkane mit Thermalquellen, Wanderungen, vor allem zu Wasserfällen, und Wassersport an den Küsten. Was sich für dich lohnt, hängt vor allem davon ab, was du machen und sehen möchtest.

Tierwelt am Wegesrand

Wildtiere begegnen dir in Costa Rica im ganzen Land, nicht nur in den Nationalparks. Große Echsen und Leguane liegen vielerorts direkt am Straßenrand, an Flüssen und in Ortschaften. In Monteverde sprangen bei meiner Unterkunft Affen durch die Bäume und auf dem Weg nach Playa Islita stand ein Aguti an der Straße. Ein Fernglas lohnt sich daher auch abseits der Parks.

Ein bekannter kostenloser Stopp ist die Krokodilbrücke über den Río Tárcoles auf dem Weg an die Zentralpazifikküste. Vom Geländer aus siehst du fast immer mehrere große Krokodile im Fluss, der Halt dauert nur wenige Minuten und braucht keine extra Tour. Dass sich die Tiere hier so zuverlässig sammeln, geht aber auf jahrelanges Anfüttern zurück, das inzwischen verboten ist. Wer Krokodile in natürlicher Umgebung sehen will, ist mit einer Bootstour ab Tárcoles, bei einem Anbieter ohne Fütterung, besser aufgehoben.

Tierbeobachtungen, Nebelwald und Wildtierpfade

In Costa Rica kannst du in allen Nationalparks Tiere entdecken: von Faultieren über Affen, Tukane und Aras bis hin zu Fröschen und Leguanen. Zu den bekanntesten Parks gehören unter anderem Vulkan Arenal, Manuel Antonio, Monteverde, Corcovado und Tortuguero. Zudem gibt es noch eine Vielzahl weiterer staatlicher und privater Nationalparks im ganzen Land.

In La Fortuna führt zudem der Bogarín Trail auf flachen, gut ausgebauten Wegen mitten durch den Regenwald, direkt am Ort. Der Trail ist für seine Faultiere bekannt, es lassen sich aber auch tropische Vögel und kleine Reptilien beobachten. Da die Wege eben sind, eignet sich der Trail auch ohne Wandererfahrung. Für den Rundweg solltest du 1-2 Stunden einplanen.
Wittikos Erfahrung (März 2024): Auf der Route von San José an die Pazifikküste haben sich für mich besonders Monteverde und die Region um den Vulkan Arenal gelohnt. In Monteverde führen Hängebrücken auf Augenhöhe mit den Baumkronen durch den Nebelwald, der sich tagsüber vor allem in seiner artenreichen Flora zeigt. Bei einer geführten Nachtwanderung kannst du auch gezielt nach nachtaktiven Tieren wie Spinnen, Skorpionen und Insekten suchen, die sich tagsüber verstecken. Mein Favorit bei der Tour war aber das Klettern durch eine große hohle Strangler Fig (Feigenbaum). Von oben gab es einen weiten Blick über den Wald, Tukane und einen Sonnenuntergang.

Vulkane und Thermalquellen

In Costa Rica gibt es eine Vielzahl an Vulkanen, wobei Poás und Irazú in der Nähe von San José, Arenal bei La Fortuna und Rincón de la Vieja nahe der Grenze zu Nicaragua zu den bekanntesten gehören. Beliebte Aktivitäten sind je nach Vulkan und Umgebung Wanderungen zu dampfenden Kraterlandschaften, Baden in Thermalquellen, Beobachten von Schlammlöchern und Hängebrücken.

Aber nicht alle Vulkane darfst du besteigen. Bei dem Vulkan Arenal bei La Fortuna ist es aus Sicherheitsgründen zum Beispiel nicht erlaubt. Möglich sind dann aber zumindest Wanderungen durch den umliegenden Nationalpark, über alte Lavafelder und zu Aussichtspunkten mit Blick auf den Vulkan.

Bei Arenal lohnt sich zudem ein Besuch in einer der umliegenden Thermalquellen. Die Anlagen unterscheiden sich vor allem in Ausstattung und Besucherandrang. Die Preise reichen von kostenlos bis zu rund 80€ (Stand: März 2024). Kostenlose Naturpools wie der Río Chollín sind schlicht, günstige und mittelpreisige Bäder bieten mehrere Becken und teils Gastronomie, aber in unterschiedlicher Qualität. Die teuren Anlagen setzen auf Spa, Poollandschaften und Ruhe.

Nicht selbst gemacht, aber beliebt, ist auch Rafting auf den Flüssen und Mountenbiking. In Monteverde sind zudem die Canopy-Touren, vor allem Ziplining, beliebte Aktivitäten. Da ich beides nicht ausprobiert habe, kann ich dazu keine eigene Einschätzung geben.
Wittikos Erfahrung (März 2024): Auf der Route von San José an die Pazifikküste bin ich an Poás und Arenal vorbeigekommen. Über das offizielle SINAC-Portal musst du dir einen Timeslot buchen, da Besucher ohne Ticket am Eingang oft abgewiesen werden. Empfohlen wird vor allem der Besuch am frühen Morgen, da die Sicht meist am klarsten ist und sich erst im Verlauf des Tages vermehrt Wolken bilden. Ich habe die Erfahrung auch gemacht. Allerdings hat der Wind stark beeinflusst, aus welcher Richtung der Kraterdampf kommt, sodass trotz fehlender Wolken die Sicht in den Krater teilweise etwas eingeschränkt war.

Um La Fortuna bin ich nur zu Aussichtspunkten gewandert und habe die Thermalquelle Termalitas del Arenal besucht, die 8€ gekostet hat. Es war kein Luxus, aber es gab mehrere Becken und Sitzmöglichkeiten im Schatten.

Wandern und Wasserfälle

In Costa Rica kannst du in allen Nationalparks und in vielen Reservaten auf eigene Faust oder mit lokalem Guide wandern gehen. Nur in Corcovado muss dich ein zertifizierter Guide begleiten. Wenn du dort eine Tour machen möchtest, überlege frühzeitig zu buchen. Für den Besuch staatlicher Reservate musst du zudem meistens vorab ein Ticket über das offizielle SINAC-Portal buchen.

Die Wanderwege sind in Costa Rica gut ausgeschildert und führen auf kurzen und langen Strecken durch die artenreichen Regenwälder. Da freies Wandern querfeldein unüblich ist, sind es meistens Rundwege zu Wasserfällen, Kratern und Aussichtspunkten, und keine Fernwanderwege. An vielen Eingängen erklärt dir ein Guide auch gegen eine kleine Gebühr die Route. Das ist aber nicht unbedingt nötig, da die Wege in der Regel gut sichtbar sind. Zudem liegen viele Wasserfälle direkt an der Route und lassen sich über Google Maps einfach finden.
Wittikos Erfahrung (März 2024): Auf meinen Wanderungen habe ich vor allem tropische Vögel wie Tukane, Schwarzkopfgeier und Papageien gesehen. Mit Abstand am meisten hat mir aber die Wanderung zu den Wasserfällen La Piedra del Indio bei San Miguel, zwischen Monteverde und La Fortuna, gefallen. Die Wanderung führt an vier Wasserfällen entlang, an mehreren davon kannst du baden, und unterwegs liegt ein indigener Petroglyph. Die Wanderung dauert je nach Tempo 1-2 Stunden.

Die Route wird von einer freundlichen, lokalen Familie betreut, die mich mit gratis Kokosnüssen versorgt hat. Da es ein privates Gelände ist, wirst du bis zum Startpunkt der Route gefahren, den restlichen Weg läufst du allein. Da es kein Restaurant gibt, solltest du ausreichend Essen und Getränke mitnehmen.

Kaffee, Kakao und lokale Farmen

Monteverde ist das Zentrum des Ökotourismus in Costa Rica und entsprechend groß das Angebot an Farm-Touren. Diese sind hier generell eher teuer, die meisten liegen zwischen 30 und 50€ pro Person.
Wittikos Erfahrung (März 2024): Bei einer Kaffee-Tour habe ich den kompletten Produktionsweg gesehen: vom ökologischen Anbau über Ernte und Fermentation bis zur Röstung und einem Tasting mehrerer Sorten in den klassischen Zubereitungsformen am Ende. Sie war die teuerste meiner Touren mit 48€ pro Person, aber auch die umfangreichste mit einer Dauer von rund 2,5 Stunden. Bei der Tour hatte ich außerdem das Glück, zufällig ein Faultier in den Bäumen zu entdecken, auf meinen Wanderungen habe ich nie eins gesehen. Allen Kaffeeliebhabern und Interessierten an lokaler Landwirtschaft kann ich diese Tour nur empfehlen.

Das Kakao-Tasting habe ich nicht in Monteverde gemacht, sondern im Sibö Chocolate in San Isidro de Heredia, einem Vorort von San José. Das war deutlich kompakter als die Kaffee-Tour mit einer Dauer von rund 1,5 Stunden und mit 36 € pro Person auch etwas günstiger. Es gab einen Vortrag über Herkunft und Verarbeitung von Kakao mit anschließendem Tasting. Wer gerne Schokolade isst und eine kürzere, günstigere Tour sucht, ist hier richtig.

Strände und Wassersport

An der Pazifikküste und auf der Halbinsel Nicoya steht Wassersport im Mittelpunkt, die Orte unterscheiden sich aber deutlich. Auch an der Karibikküste gibt es grundsätzlich ein Angebot für Wassersportaktivitäten. Dort war ich aber während meiner dreiwöchigen Rundreise nicht und kann daher keine Details dazu geben.

In Sámara an der Pazifikküste sind die Wellen durch das vorgelagerte Riff sanfter, weshalb der Ort gut zum Surfen, Schwimmen, Schnorcheln und Tauchen geeignet ist. Der Ort hat einen entspannten Surfer-Vibe. Ich habe hier eine ganze Woche verbracht und einen einwöchigen Tauchkurs bei der Sámara Dive School gemacht. Für reinen Wassersport ohne Tauchkurs reichen zwei bis drei Tage.

Playa Islita ist der ruhige Gegenpol. Dort gibt es eine Steilküste, kaum Touristen und saisonal auch Meeresschildkröten am nahen Schutzgebiet Camaronal, wobei je nach Art vor allem zwischen Mai und November Tiere zur Eiablage kommen. Von meiner Unterkunft an der Steilküste aus konnte ich einige Vögel und im Meer sogar Wale beobachten.

In Manuel Antonio gibt es neben Stränden auch einen gleichnamigen Nationalpark zum Wandern und Tiere beobachten. Der Park ist mit knapp sieben Quadratkilometern der kleinste des Landes, aber zugleich einer der meistbesuchten aufgrund seiner Artenvielfalt.
Wittikos Erfahrung (März 2024): Mich hat der Park trotz seines Rufs nicht begeistert. Die Tierdichte war für mich nicht höher als in ruhigeren, günstigeren Parks wie dem Bogarín Trail und Monteverde. Wer die Kombination aus Strand und kurzem Regenwald-Spaziergang sucht, ist hier richtig, für reine Tierbeobachtung gibt es aus meiner Sicht bessere Orte. Das Parkticket kaufst du vorab online über das SINAC-Portal.

FAQ

Einige Nationalparks in Costa Rica sind gut für Kinder und ältere Menschen geeignet. Der Weg zum Krater des Vulkan Poás zum Beispiel ist asphaltiert und barrierefrei, und der Bogarín Trail in La Fortuna verläuft flach. Andere Wege führen dagegen über steile Treppen und Wurzelpfade und daher eher weniger für jüngere Kinder und ältere Menschen geeignet.
Costa Ricas Tierwelt lässt sich auch ohne gebuchte Touren beobachten. Echsen, Leguane und Vögel siehst du vielerorts am Straßenrand, an der Krokodilbrücke am Río Tárcoles Krokodile und der Bogarín Trail in La Fortuna gilt als guter Ort für Faultier-Sichtungen. Ein Guide erhöht aber die Chance, versteckte Tiere zu entdecken.
Eine Nachtwanderung lohnt sich auch nach einem Tagesbesuch, weil du dann andere Tiere sehen kannst. Nachts sind vor allem Spinnen, Skorpione, Insekten und schlafende Vögel zu finden, die sich tagsüber verstecken. Geführt wird fast immer, da die Tiere ohne geübten Blick im Dunkeln schwer zu finden sind.
Für die meisten staatlichen Nationalparks in Costa Rica buchst du das Ticket vorab online über das offizielle SINAC-Portal. Ohne Ticket kann es passieren, dass du am Eingang abgewiesen wirst, beispielsweise beim Vulkan Poás, wo es feste Zeitfenster gibt. Private Reservate und viele Wanderwege sind dagegen oft auch spontan zugänglich.